Die letzten Tage und auf was wir uns freuen...

Montag, 27.04.2015

Die letzten Tage purzeln nur so dahin. Man will sie geniessen, noch nicht an danach denken, aber das ist unmoeglich. Freunde und Familie fragen nach, Ankunftszeiten sind zu koordinieren, letzte Mitbringsel werden besorgt, nach Wohnung wird Ausschau gehalten, Skype-Jobinterviews gefuehrt und man sieht die Sanduhr vor Augen ablaufen.

Dennoch saugen wir jeden letzten Augenblick hier auf, versuchen die Freiheit festzuhalten und hoffen, dass wir den veraenderten Lebensstil ins alte, neue Leben integrieren koennen. Angst kommt auf. Was ist wenn wir keinen Job finden oder nicht die passende Wohnung? Auf einmal sind Entscheidungen zu treffen, die nachhaltiger sind und laenger als ein paar Wochen bestand haben. Und werden uns Freunde und Familie ueberhaupt verstehen? Wir sind infiziert: von der Reisemuecke (travel bug). Man sagt der Virus ist unheilbar, es laesst einen niemals los, man ist hungrig nach mehr, hat unsagliches Fernweh und ist ruhelos. Man hat so viel gesehen: Gutes und Schlechtes, erstrebenswertes und weniger erstrebenswertes. Man ist quer durch die Welt gereist, hat an den Plaetzen gestanden, die man sonst vom Fernsehen gesehen hatte. Wird uns unsere alte Welt zu klein sein?

Doch dann tauicht hin und wieder  zum Teufelchen auf der rechten Schulter, das Engelchen auf der linken Schulter auf und saeuselt in lieblichen Ton:

- Ach wie schoen, dass Du bald wieder bei Deiner Familie sein kannst. Mutti drueckt Dich und macht Bouletten mit Kartoffelbrei, endlose Telefonate mit der Schwester oder lustige Nachmittage mit dem Onkel und seiner Freundin.

-Und die herrlichen Maedels- / Maennerabende mit den Freunden, wo man sein kann wie man ist und auch mal wieder was allein machen kann.

-oeffentliche Verkehrsmittel in Deutschland - whooohooo! Weisst Du noch? Du kannst ueberall hin fahren, sie sind sauber, puenktlich und preiswert.

-gutes, ungesuesstes Brot aus Sauerteig! Baecker, ordentlich Semmeln und Zupfkuchen!

-deutsche Ordnung, Puenktlichkeit und Genauigkeit....nicht alles nur schnell, schnell von vorne schoen, nein auch im Haus und im Hinterhof ist es aufgeraeumt. Wenn etwas begonnen wird, wird vorher drueber nachgedacht, wie man es am besten machtt. Und ich kann mich auf Aus- und Zusagen verlassen

-endlich wieder in der Muttersprache kommunizieren....wir koennen wieder alles ausdruecken,wie wir es wollen, keine fehlenden Worte mehr, keine Aussprachefehler, keine Missverstaendnisse mehr. Wir kennen uns aus! und endlich wieder deutsche Buecher lesen, keine schweren Augen bekommen nach 5 Seiten!

-Guenstig! Lebensmittel, Drogeriewaren, Hotels....wir Deutschen wissen gar nicht wie gut wir es haben. Alles ist so guenstig bei uns und hat eine gute Qualitaet  Lidl is the best!!! Wreesmann passt auf, Euer Stammkunde ist auf dem Weg.

-Sicherheit! Es wird selten jemand in der Nachbarschaft erschossen. Autodiebstaehle und Haeusereinbrueche stehen nicht auf der Tagesordnung.

-Gute Schokolade! Kein zusammengemixtes Zuckergemisch und ja, ich liebe Peanut Butter, aber es muss nichtt ueberall drin sein!

-Fitnessstudio und Sauna! Endlich wieder zur Trainingsroutine zurueckkehren und nach einem Jahr Abstinenz endlich wieder mit Basti in die Sauna gehen!

Okay Engelchen, sagt Teufelchen, vorerst hast Du gewonnen!

Wir freuen uns auf Euch!

Everything is bigger in Texas...

Dienstag, 14.04.2015

"ich dachte das ist nur so ein Klischee und die übertreiben in den Kinofilmen, aber nein, es ist tatsächlich alles so. Die Amis sind verrückt" sagte Ringo.

Wir haben in den letzten drei Wochen bei verschiedenen Hosts gewohnt, mal über Couchsurfing, mal über AirBnB und auch HelpX und somit einen Einblick in die Kultur gewonnen. "Welche Kultur?" fragt Ringo, "die Fresskultur?" und Recht hat er. 

Alles ist viel grösser hier. Wir mieteten das kleinste Auto, was wir bekommen konnten (ist ja auch das Billigste), einen Chevrolet Spark, und fühlen uns auf den riesigen Highways neben den fetten Pickup Trucks ganz verloren. "Die lachen uns aus mit der kleinen Kröte" sagte ich zu Ringo. "Ich lache an der Tankstelle" sagte Ringo darauf. Und es stimmte, wir tankten für 20 Dollar voll.

Angekommen beim ersten Host, Joseph einem (wie sagt man politisch korrekt hier?) African-American, stellten wir schnell fest, dass nicht nur das Auto gross sein muss, nein auch das Haus und vor allem sehr wichtig, Du musst ein Haus haben! Joseph lebte allein in einer riesen Hütte, alles vom Feinsten und natürlich mit einem riesigen Fernseher. Selbst mein Schwager, der bisher in meinem Umfeld immer den mit Abstand grössten Fernseher besass, kackte dagegen ab. Joe verliess morgens das Haus und kam nicht vor 21:00 Uhr zurück. Aber hey, er hat ein grosses Haus! 

Die Esskultur hier schreit zum Teil zum Himmel. Die Amis lieben, lieben, lieben es zu essen und / oder über Essen zu sprechen. Die Portionen hier in Texas sind riesig gross, ich schaffe oft nur die Hälfte. Den Rest nimmt man mit im Doggybag, aber beim Grossteil der Leute verschwindet dieses nur im riesigen Kühlschrank und wird irgendwann mit dem anderen übrig gebliebenen Food einfach weggeworfen. Eine Überflussgesellschaft wie sie im Buche steht. Bei einem Host wurde zum Abendessen viel zu viel Spaghetti gekocht und diese sollten gerade in den Abfalleimer geworfen werden als ich sie stoppte. Ich kochte am nächsten Abend ein Spaghettiomelette daraus und alle waren begeistert und liebten es. 

Über das Essverhalten hier  könnte ich echt ein Buch schreiben. Zum Sandwich gibt es immer etwas zum Knabbern dazu, oft Chips. Bei unserem jetzigen Host wird jeden Mittag die PopcornMaschine angeworfen und es gibt Salziges Popcorn zum Lunch. Aber nicht nur ein kleines Schüsselchen, er verspeist einen riesen Trog.

Bei einem anderen Host wurde ständig im Stehen am Bartresen gegessen, nebenbei lief der Laptop mit Filmen. 

Gekocht wird fast nie, wenn nur in der Mikrowelle aufgewärmt. Am liebsten gehen die Amerikaner aber aus zum Essen. Mindestens 3x die Woche wird abends ausserhalb gegessen. 1-2x die Woche machts ein take away und wenn man für die restlichen Tage nicht zu einem Barbecue eingeladen ist, muss die Fertigtheke im Supermarkt herhalten. Hier gibt es die tollsten Gerichte völlig fertig, entweder für die Mikrowelle oder nach Belieben auch schon warm zum gleich mitnehmen.

Entsprechend gross sind dann auch die Körper. Sorry, ich muss es so klar sagen, aber hier in Texas habe ich die fettsten Menschen der Welt gesehen. Manche schaffen es noch nicht mal ihre nächsten Fressereien im Walmart zu Fuss zu holen, nein sie müssen einen dieser kleinen Scooter nehmen und damit durch die Halle tuckern. "Beep, beep, beep" hörst Du nur, wenn sie nochmal rückwärts stossen, um die vergessene Tüte Chips einzuladen. Zu Ihrer Verteidigung muss ich sagen, dass Walmart, Target und Co. hier wirklich abnormal gross sind und Ringo und ich uns immer Treffpunkte ausmachen, falls wir uns verlieren sollten.

 

Um nicht zu vergessen, auch die Drinks sind hier mega. Vergiss niemals dazu zu sagen, dass Du "small" willst, manchmal schadet es auch nicht nach "junior" oder "kids size" zu fragen. Für unsere Starbucksfreunde, ja, der tall Capppucino ist hier tatsächlich tall.

Und damit der ganze Müll auch überall reinpasst, sind selbstverständlich auch die Mülleimer riesig. Ich musste richtig lachen, als ich diese das erste Mal sah, aber je länger wir hier sind, desto mehr sehen wir, wieviel Abfall hier produziert wird. Wasser wird fast immer in kleinen Flaschen gekauft, dafür dann eine riesige Stiege, ist preisewerter als grosse Flaschen. Da kein Pfand drauf ist, wird kaum recyclet. Wenn man wie wir 2-3 Liter pro Tag trinkt, macht das 12 Flaschen pro Tag. Innerhalb einer Woche war unser Mietauto zugemüllt. Americanized wie man langsam ist...."hey its a rental car. Cleaning service will take care of this". 

Texas ist nur ein Bundesstaat von den USA, aber grösser als Deutschland. All der Überfluss hier, all der Müll, all diese Uneffizienz, da kommt es mir fast vor, als würden wir energie- und resourcensparenden, umweltschützenden Deutschen wie ein Tropfen auf den heissen Stein sein.

Wohnen wie die Mexikaner

Sonntag, 29.03.2015

Wenn man lange Zeit auf Reisen ist und den Locals so nahe kommt wie wir, erlebt man kuriose Geschichten.

Nach berauschenden Erlebnissen in Vegas, die ja bekanntlich in Vegas bleiben sollen, zog es uns nach good, old Texas. Da dieses Gebiet früher zu Mexico gehörte, leben hier dementsprechend viele ihrer Landsleute und manchmal kommt es uns vor als ob wir in einem anderen Land wären. Der Supermarkt hat eine eigene Tortillaria, wo man frisch gemachte Tortillafladen kaufen kann, ähnlich wie bei uns die Brotbackstände. Überall liest man spanische Ausschilderung und hört diese Sprache permanent um einen herum. Das Essen in den Restaurants ist stark von dieser Kultur beeinflusst, welches aber keinesfalls mit dem europäischen, mexikanischen Essen zu vergleichen ist.

Texas und Mexico haben viele Jahre um dieses Stück Land gekämpft und so wollten wir der ganzen Kultur und Geschichte doch noch einmal tiefer auf den Grund gehen. Wir fuhren nach San Antonio und machten Couchsurfing bei einer mexikanischen Familie. Holy Cow! Dies war mein erstes, richtiges Couchsurfing Erlebnis, obgleich wir in den letzten Monaten auf vielen Sofas / Betten geschlafen haben, aber das Ganze entpuppte sich als Erlebnis schlechthin. 

Wir erreichten das Haus gegen 15:00 Uhr und davor stand ein riesiger Van und ein böse blickender Hund. Wir riefen Keren an und sie kam heraus und meinte nur, dass dies nicht ihr Hund sei, dieser hier nur herumlungert, aber bereits ein Kind in der Nachbarschaft gebissen hat. Wie beruhigend!

Sie bat uns herein, öffnete die lavede Fliegengittertür und schon stürmte uns ein Schäferhund und irgendsoein anderer, kleiner Köter entgegen. Dahinter kam barfuss und lachend ein zweijähriges Mädchen mit Windeln und gelockten Haaren angewatschelt und versteckte sich als sie Ringo sah. "Das ist mein Baby Zoe, heisst von Gott gewollt, denn sie war so nicht geplant", sagte Keren.

Nach dem dunklen Wohnzimmer (mit alten Laken die Fenster abgehangen), kamen wir in die muffige, feuchte und dreckige Küche, wo sich das Leben abspielte. Die Grossmutter kochte, die 17jährige Tochter unterstützte sie dabei und nahm ab und an ihre kleine Schwester auf den Arm. Aus Opas Zimmer brüllte mexikanische Musik und er rief, ob es schon Essen gäbe (natürlich alles auf spanisch). Keren plapperte wie ein Wasserfall, erzählte von San Antonio, ihrer Familie, den Nachbarn, der Geschichte Texas und schlussendlich über ihre Eheprobleme und dem Mann, der ständig Bilder mit den grossbrüstigen Frauen von Hooters oder dem Bikinis macht. Sie selbst ist eine typische dicke Mexikanerin, "wir lieben zu essen", sagte sie nur und erschrak ein wenig als sie über Ringos Beruf erfuhr. Das änderte aber nichts an der katastrophalen Ernährung. Ab und an lief ein Käfer an der Wand entlang und ich dachte nur: das ist wie im Film, ich lach mich schlapp.

Wir bekamen unser eigenes Zimmer, was die gleichen hygienischen Voraussetzungen hatte wie der Rest der Wohnung. "Die Tür kann man absperren für Privacy" sagte Keren. Aber zwischen unserem Zimmer und der Küche war eine Art Fenster, die nur mit einer Jalousie zugehangen war. Binnen kürzester Zeit stanken all unsere Sachen nach Essen.

Apropos, als dieses fertig war, klopfte es an der Tür und weitere Familienmitglieder kamen heran. Opi kam aus dem Zimmer und stellte uns interessiert Fragen über Deutschland, Aliens und ob wir an Geister glauben. Die restlichen Männer zogen sich in das dunkle Wohnzimmer zurück und tranken.

Später am Abend (gegen 22:00 Uhr) meinte die Grossmutter wir sollten unbedingt die alte Geisterstrasse besuchen fahren. Dort war vor Jahren ein Schulbus von einem Zug erfasst worden und  viele Kinder starben (nur eine Legende). Man sagt, dass nun die Geister der Kinder alle Fahrzeuge über die Schienen schieben. Opi hörte das, kam herausgeschlürft und sagte er komme mit. Und weil Opi nicht ohne Omi geht, fanden wir uns alle vier im Van wieder. Ich musste über leere Colaflaschen und Becher und anderes Gerümpel steigen und setzte mich in eine offene Tüte Chips. Auf der Fahrt hörten wir immer wieder polternde Geräusche vom hinteren Radkasten und Ringo fragte, was das sei. "Ach ja" sagte Keren "das Rad hat kaum Luft. Es ist irgendwas kaputt, aber wir haben kein Geld das zu reparieren. Die Werkstatt sagte wir sollen nicht damit fahren. Aber was soll ich machen?". Wir brausten weiter über den Highway und dieses Mal schaute selbst Ringo komisch. 

An der Geisterstrasse angekommen, stellten wir den Gang auf neutral und tatsächlich wurde unser Auto über die Schienen wie von Geisterhand gezogen. Wir dachten uns natürlich, dass das mit magnetischer Anziehungskraft zu tun hat, aber die Mexikaner glauben wirklich an Geister. Opi liebte es und wir mussten noch 3 weitere Male über die Stelle fahren. Jedes Mal danach, quälten sich die alten Leutchen aus dem Auto, um das Heck, was vorher mit Babypuder bestäubt wurde, nach Fingerabdrücken zu untersuchen. "Was für eine verrückte Scheisse" sagte Ringo nur.

Auf dem Rückweg unterhielten wir uns darüber, dass Keren ihre Tochter für 1 Jahr aus der Schule nehmen musste, da diese oft Rückenprobleme hat und da sie keine Krankenversicherung haben der Schule keine Atteste fürs Fehlen einreichen können. Ringo sagte, er könne ihr zeigen den Rücken zu tapen und so fuhren wir 23:30 uhr zu Walmart, um Tapes zu besorgen. "Bring Chips mit, ich bin hungrig" rief Opi uns hinterher.

Gut, dass ich an diesem Abend todmüde war, so dass ich mich nicht ganz so ärgerte, dass ein Hund auf meinem Handtuch sass und das Bett nicht bezogen war. Ich schlief sofort ein und wurde erst wieder durch den Bratgeruch aus der Küche wach. Es gab Bohnen, Chorizo und Käse (alles übelst fettig und zusammen gemanscht) mit Tortillas. Opi hatte sogar ein frisches Hemd angezogen und sagte zum Abschied: "kommt bitte wieder und schreibt mal Euren Facebook Namen auf. Ich will Eure Bider sehen".

Tahiti....auf der Suche nach dem Honeymoon

Montag, 16.03.2015

"Ich habe Angst, dass wir heute abstürzen" rief ich vom Doppelstockbett im Hostel in Auckland runter. 

"Ich habe Angst, dass es bei Air Tahiti Nui kein gescheiten Filme gibt" tönte es von unter mir.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem wir nach Tahiti fliegen wollten, rollte ein Cyclone mit mehr als 250 km/h Windgeschwindigkeit auf Neuseeland zu. Wir "durften" dann trotzdem fliegen und wurden selbst in dem grossen Flieger ordentlich durchgeschüttelt.

Als wir endlich auf der Honeymoon Insel aufsetzten und sich die Türen öffneten, peitschte uns erst einmal ein saftiger Tropensturm entgegen. Das sieht man nie auf den makellos wirkenden Postkarten mit Traumstränden und sanften Meer. Die Südsee, das ist das wahre Paradies, denken viele, dass aber das Klima für unsere europäischen Körper sehr herausfordernd ist, bedenkt man nicht.

Wir huschten über das nasse Rollfeld, aber der Regen fühlte sich ganz warm auf der Haut an. Mit der Passport und Zollkontrolle nahm man es hier nicht so streng und auch sonst herrschte sofort entspannte Inselatmosphäre. Viele Reisende wurden mit Blumenketten empfangen und zur Begrüssung spielte eine polynesische Band. 

Unsere Gastmutter kam 35 Minuten zu spät, aber in Tahiti Zeit ist das glaube ich nicht so viel. Glücklich, dass wir nicht mehr hilfesuchend am Aiport mit klebenden Sachen und schlechten Französischkenntnissen umherirren mussten, sassen wir in dem Kleinbus und schlitterten über die Insel und hupten hier und da um Bekannte zu grüssen. Wir leben hier in Mahina, einem Viertel, wo nur Einheimische leben und keine schicken Resorts stehen. Das ist das wahre Tahiti und hat erstmal nich viel mit Honeymoon zu tun. Aber wir sind ja schliesslich auch nicht dafür hier und lieben diese Art zu reisen, echte Kulturen kennen zu lernen und nicht die Traumwelten, die den Touriste vorgegaukelt werden, natürlich für ordentlich Knack.

Unser Zimmer ist trotzdem mit Blumen dekoriert und überall stehen Kerzen. Richtige Fenster wie wir es kennen, gibt es nicht. Es steht alles irgendwie immer offen...scheinbar stiehlt man hier auch nicht. Es war furchtbar heiss und schwül und wir öffneten die Balkontür und stellten den Ventilator an. Tracey warnte uns vor den Mosquitos. Wir sollten uns bitte einsprühen, da eine Krankheit namens Chinkungunya kursiert, die von Mücken übertragen wird. Nach 2-4 Tagen bekommt man stakes Fieber  und so starke Gelenkschmerzen, dass man nich meh aufrecht gehen kann und kaum die Finger bewegen. Toll! Das hatte ich mir irgendwie romantischer vorgestellt!

Am nächsten Morgen schlappten wir erstmal zum Supermarkt an der Ecke, ein Vorteil, wenn man bei Einheimischen wohnt. Verglichen mit den Restaurantpreisen kamen wir günstig weg. 30 Euro für die nächsten drei Tage, das kostet hier ein Frühstück für eine Person. Natürlich kamen uns wieder unsere bereits gesunkenen Ansprüche zu Gute. Es gab zum Beisiel eine Stange Baguette, verrückte Pastete aus der Dose, Dosenwürste, Dosenbohnen, Spaghetti, Tomatensosse, Käse, Krabbenchips und ein paar Früchte. Ja, da guckt Ihr, was? Nix mit Inseltraumparadies. Dennoch fanden wir es grandios, wir kauften gerade ganz normal auf Tahiti ein, ich trug das Baguette mit der Hand, weil man das hier so macht, Ringo weigerte sich mit der Kassierin französich zu sprechen und auf dem Heimweg steckte ich mir eine Hibiskusblüte ins Haar.

Und dann das Horrorszenario: ich hatte einen Mückenstich! Ich brach in Tränen aus, malte mir in den schlimmsten Farben aus, wie ich leidend im Bett liege,  aber Ringo meinte, so viel Pech kann selbst ich nicht haben, dass gerade die eine Mücke infiziert war.

Am nächsten Tag machten wir eine Inseltour mit Teiva, einem stattlichen Tahitianer, barfuss, mit selbst gejagten Tierzähnen am Hals. Ich war fasziniert von seiner charmanten Art, Ringo von seinen Tattoos. Sie tauschten sich aus und er zeigte Ringo am Abschluss der Tour ein studio, was traditionelle polynesische Motive sticht. Ja und nun sitze ich hier allein in meiner Honeymoonsuite, eingenebelt von Räucherkerzen gegen die Mücken und warte bis mein Liester wieder kommt, hoffentlich heil!

 

Achim VANzel weg mit den Polen..und nun?

Freitag, 27.02.2015

und auf einmal ging alles ganz schnell. Gerade hatten wir noch so schön im Achim gecampt und schon ist er weg, weg, WEG und wir sind wieder allein, allein...

Wie die vorsorglichen Deutschen nun mal sind, hatten wir unseren LieblingsVANzel rechtzeitig einen Monat vor Abreise ins Internet bei trade me reingesetzt, damit uns nicht das Gleiche passiert wie einigen Backpackern, die zwei Tage vor Abflug in Eile das Auto zu einem Spottpreis verhökern müssen.

Wir erinnerten uns an die alten Tricks, die wir noch von unseren Autoverkäufen vor Abreise kannten. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an David. Wir säuberten und wienerten das Auto und machten aussagekräftige und tolle Fotos im schmeichelnden Abendlicht. Der Achim sah darauf aus wie neu. Damit der potentielle Käufer auch nicht enttäuscht wird, machten wir uns auch an einem Nachmittag auf dem Campground die Arbeit und polierten ihn so richtig auf. Ringo hatte dazu Politur und Silikonspray aus dem Warehouse besorgt und jagte mich mit dem Lappen hin und her. Schön sah er aus unser Achim, so glänzend und so glänzten dann auch meine Äuglein in anbetracht der Abschiedssituation. Aber bis dahin gab es noch keine Interessenten und so schob ich den Schmerz schnell beiseite und kochte uns ein paar Bratkartoffeln. Ja, auf die letzten Tage mit dem tollen Sommerwetter, liessen wir es uns so richtig gut gehen beim campen.

Aber der befürchtete Tag musste kommen und wir erhielten bald zwei Anrufe von Interessenten und so entschieden wir uns nach Auckland zu fahren, um das Auto zu präsentieren. Wir suchten wieder den Campground vor den Toren der Stadt auf, den wir bereits bei unserer Abreise vor 7 Monaten besucht hatten, wo uns der freundliche Besitzer die Batterie fixiert hatte und er war nicht weniger freundlich bei diesem Besuch. Er half uns aus mit Wassereimer und Staubsauger und berichtete uns von seinem neuen Gast, einem jungen Franzosen, der in Auckland ausgeraubt wurde und nun dank ihm Job, Unterkunft und Gastfamilie hatte. Schön, wenn die Menschen so helfen. 

ich schlief schlecht in dieser Nacht. Würden die Käufer unser Auto nehmen? Aber was dann? Dann ist unser sicherer Hafen weg und wir müssen wieder alles in einen Rucksack packen. Aber wenn beide das Auto nicht wollen, ist auch Druck da. Können wir es jemals verkaufen?

Der nächste Tag war ereignisreich, wir stellten das Auto erst einem jungen Spanier vor, der offensichtlich ein MEchaniker war  und es auf Herz und Nieren prüfte. Danach kamen Pawel und Ingrid, das vorsichtige polnische Pärchen. Wir waren erst genervt von ihnen, weil sie unbedingt das Auto in die Werkstatt zum Check bringen wollten, aber dann erinnerten sie uns an uns selbst zu Beginn der Reise.

Als beide gegangen waren, besuchten wir nochmal Ulf, den Hausmeister und liefen ein Ründchen im alten Kiez, bis das telefon klingelte und Pawel verkündete er nehme das Auto und wann wir es bringen könnten. Juchuuuu.....oh nein...so schnell? Wir fuhren zurück zum Campground, gerieten aber voll in den rush hour Verkehr und brauchten satte zwei Stunden für 32 km. Völlig fertig begannen wir mit der Kramerei und dem Aussortieren. Ringo spendete einen grossen Teil der Ausrüstung dem beraubten Franzosen und ich stampfte mit sämtlichen Körpergewicht alles in mein Backpack. Vorbei war die schöne Zeit mit Umziehen, Kaffee trinken und schlafen wann und wo immer wir wollten.

Nach der Packerei kam der nächste Schreck: wo schlafen wir eigentlich morgen? Eisa war ausgebucht. Ich telefonierte einige Hostels ab. Fehlanzeige! Es war Cricket Worldcup und wochenende. Ich war völlig fertig. Ringo schimpfte: Irgend so eine scheiss bude muss doch frei sein. Da fiel mir der Zettel von Shirley ein, wo sie die Nummer ihrer in Auckland lebenden Tochter notiert hatte. Ich rief sie an und sie sagte nur: klar, wo soll ich Euch abholen? Ich frage mich immer wieder, ob wir Deutschen auch so bedingungslos gastfreundlich sind?

Am nächsten Morgen übergaben wir unser Familienmitglied und hoffen, dass er noch eine Weile vergnügt über die Inseln schnurren kann. Da wir mit einem kleinen Plus verkauft hatten und noch etwas Streichgeld über hatten und unsere Reise ja nicht dem Geld ansparen dienen sollte, buchten wir schnell ein paar Tickets nach Australien. Leider mussten wir hier ordentlich in die Tasche greifen, da hier unten derzeit Cricket Worldcup ist, aber wie bereits gesagt, wir sind hier nicht zum Sparen, sondern um etwas zu erleben. Und wer weiss, welche Erlebnisse uns da drüben noch wiederfahren sollen. Wir sind aufgeregt!

Bye, bye South Island, zurueck in die Zivilisation

Dienstag, 17.02.2015

Ihr habt ja Recht, wir haben lange nix voneinander hoeren lassen, aber auch das Reisen wird irgendwann mal Alltag und es wird schwer eine witzige Story fuer Euch herauszufiltern.

Eigentlich sind wir gerade im Reisen angekommen, gluecklick im hier und jetzt und noch lange nicht soweit an zurueck zu denken. Dennoch geht unsere Zeit in Neuseeland am 15. Maerz definitiv zu Ende und wir fliegen weiter in die USA. Aus diesem Grunde haben wir uns Anfang Februar von unserem lieb gewonnenen Westport verabschiedet, mit ein paar Traenchen in Marits Augen,  und uns in Richtung Norden bewegt.

Dieses Mal haben wir alles so richtig optimiert. Nun sind wir ja schon alte Camperfuechse, die Ansprueche stark gesunken und das Wetter spielt auch super mit. Die Neuseelaender sagen es waere der beste Sommer seit langem. Ich finde das haben wir ja auch verdient nach dem Fruehling! Also hoppen wir vom gratis Campground zu gratis Campground, welche auf der Camper Mate App zu finden sind. Mal stehen wir auf abgewrackten Parkplaetzen, aber auch mal ganz nett im Gruenen oder sogar mal an einem See. Natuerlich gibt es fuer diesen "Preis" keine Duschen, aber auch dafuer hat die App eine Loesung. Man kann nach oeffentlichen Duschen suchen. Hier bezahlt man zwischen 2 und 5 Dollar, oft fuer 6-8 Minuten. Die Sparfuechse haben da natuerlich noch was rausgeholt. Wir haben herausgefunden, dass wir zu zweit in dieser Zeit locker durchkommen und so teilen wir uns oft eine  Kabine und wascheln im Wechsel. An besonders heissen Tagen oder wenn nichts anderes vorhanden ist, wagen wir uns sogar an kalte Strandduschen heran. Brrrr....da wird einem nur waermer, wenn man zwischen einem gut gebauten Surfer und einem gut gebauten Ringo duscht :-)

Nachdem wir noch die fehlenden Highlights der Suedinsel bereist hatten, buchten wir die Faehre auf die Nordinsel und .....wo ist die Zeit hin? Da sind wir schon wieder zurueck auf der Nordinsel. Komisch war es, auf einmal wieder so vielen Autos in Wellington zu begegnen. Und immer dieses Zusammenzucken wenn man an einem Warehouse oder Pak'n Safe vorbei faehrt: "Brauchen wir vielleicht was? Wer weiss wann wieder einer kommt?". Wir koennen wieder umdenken, muessen nicht mehr auf Vorrat kaufen, denn ab jetzt gibt es wieder an jeder Ecke was zu kaufen. Und vor drei Monaten war fuer uns das schon das Ende der Zivilisation, was uns nun wie ein Konsumparadies vorkommt. Wir werden einen wahnsinnigen Kulturschock in den USA erleiden!

Mit den Menschen kommen auch wieder die Fast Food Ketten und mit denen die Maorisiedlungen.

Da wir derzeit noch ein wenig rumbummeln, haben wir bereits ein paar Kaeufer fuer unser Auto verloren, die in Auckland schneller zugeschlagen haben. Wie machen wir es richtig, ueberlegen wir? Schnell verkaufen und dann viel Geld fuer Hostels rauswerfen? Oder noch eine Weile gratis campen und dann evtl zu einem niedrigeren Preis verkaufen? Der deutsche Denker und Planer kommt wieder durch!

Ansonsten bleiben wir auch auf der Nordinsel unserer Wanderleidenschaft treu. Selbst am Valentinstag "ueberraschte" mich Ringo mit der Besteigung des Mount Ruahepu oder so....der hoechste Berg Neuseelands. Man konnte einen Teil mit dem Sessellift fahren....pah, nicht mit Ringo! Viel zu teuer und ausserdem, was sind denn das fuer Lappen, die die Haelfte mit dem Lift auf den Berg fahren, meinte Ringo. Also trappelte ich brav hinter ihm her mit meinem ordnungsgemaess gepackten Rucksack: Trinkwasser, Wechselshirt, Schal, Muetze, Wind und Regenjacke, Wechselsocken und Tueten (falls die Schuhe nass werden) sowie Bananen und Nuesse. Heimlich packte ich noch Kamm und Handy mit ein. Nachdem wir dann endlich die Bergstation des Lifts erreicht hatten, trafen wir auf andere Wanderer, teils gut, teils schlecht ausgeruestet. Nach einer kurzen Pause, kraxelten wir weiter, immer Richtung Himmel und rein in die Wolken....irgendwie gruselig fand ich. Wir liessen immer mehr Sesselliftpupser hinter uns und kamen immer hoeher, immer tiefer in die dunklen Wolken, immer steiler, bis ich mich einmal umdrehte und dann klammerte ich mich an einen Stein und rief zu Ringo: "Ich geh nicht weiter, ich bleib hier" Ringo meinte wir drehen um, aber ich sagte ich bleibe hier bis der Hubschrauber mich holt. Ringo laechelte nur drueber und motivierte mich nach ein paar angstvollen Minuten dann doch an seiner Hand ein Stueck mit zu kommen. Und dann war es gar nicht so schlimm und ich spaeter sogar richtig stolz auf mich! Spaeter lernte ich dann die "Geroellabfahrt" kennen (man rennt einfach durch das Geroell nach unten), die ich dann am naechsten Tag zum Tongariro Crossing anwenden konnte.

So, dann werden wir jetzt weiter ein bissl abpimmeln (Insider) und nichts fuers Brutto-Sozialprodukt tun oder wir ueben uns einfach im Maori-Lifestyle...bis bald! 

 

The painters are back in d'a hood...Westport

Donnerstag, 15.01.2015

Etwas ueber einen Monat hat es gedauert und ueber die Haelfte unserer Streichkohle war uns bereits durch die Haende geronnen, als uns das Angebot von Shirley und Max erreichte die Weihnachtsferien mit ihnen im Beachhaus in Mokhinui zu verbringen. "Und was sollen wir da den ganzen Tag machen?" war Ringos erste Reaktion, aber als unser Sparfuchs naeher drueber nachdachte, fand er Gefallen an dem Gedanken mal wieder ein paar Tage fuer lau in einem schoenen Bett zu schlafen, heiss zu duschen und was anderes als Bohnen oder Chinanudeln zu essen.

So sagten wir zu und steuerten den Achim ueber den Arthurs Pass, wo wir noch ein paar Tage wanderten, nette Bekannschaften schlossen, erneut mit den Sandfliegen kaempften und Melies Geburtstag am Lagerfeuer feierten, in das kleine Strandoertchen hinter Westport. Wir verbrachten vier traumhafte Tage da und Ringo musste sich korrigieren, es war nicht einen Moment langweilig. Wir bekamen Besuch, machten tolle Wanderungen am Strand und durch den Regenwald und lernten zu fischen. Unser Rekord lag bei 34 Fischen, die danach natuerlich alle entschuppt und filettiert werden mussten. Dank Ringo konnte ich mich nicht davor druecken und musste schon ein wenig die Nase ruempfen und mich schuetteln beim Anblick, Geruch und Gefuehl der glitschigen Dinger. Wir wurden zu richtigen Mokhinuianern und wurden bereits von den Dorfbewohnern gegruesst und traten wohlwissend von der Terrasse, wenn sich wieder eines der Touristenautos auf der Suche nach Gentle Annies Beach verirrt hatte, und beschrieben den Weg. Beruhigend ist das Gefuehl mit Meeresrauschen aufzuwachen und wieder einzuschlafen, sein eigenes Essen zu fangen oder zu ernten und der einzigste Plan an den man sich halten muss, das Tide Sheet (Gezeitenplan) ist.

Ringos erster Fisch Wanderung in Charleston Marit beim Fische putzen

Der Urlaub vom Reisen war aber auch eines Tages zu Ende und da fielen uns wieder zwei Gruende ein, warum wir auch gekommen waren. Der Achim brauchte eine neue WOF (TUEV) und wir brauchten Arbeit. Ersteres konnte Max schnell loesen, bestellte dem VANzel einen Termin beim Autodoktor. Wir hatten schon Sorgen, besonders Ringo mit seiner Autophobie, dass groessere Kosten auf uns zukommen koennten, aber der Achim riss sich zusammen und war nach 1 Stunde zurueck bei Muddi und Vaddi und kostete uns nur die Durchsichtsgebuehr. Nun darf er wieder 6 Monate die Strassen von Neuseeland unsicher machen, leider und hoffentlich bald mit einem anderen Backpackerpaar. Ich muss sagen, toi, toi, toi, das alte Klo hat uns bisher ueber jede, noch so bucklige Strasse der Suedinsel gebracht und so manchmal wollte ich mir nicht ausmalen, was passiert, wenn wir jetzt liegen bleiben in der Einoede. Das hat wirklich meine Meinung ueber "Reisschuesseln" gerade gerueckt.

Und wie es in relaxten Laendern wie Neuseeland so ist: "if you go with the flow..." kommt auch irgendwie alles zurecht. Und schwupps hatten wir wieder ein Jobangebot: ein Zaun sollte gestrichen werden. Easypeasy, dachte ich....bis ich das Grundstueck und den Zaun gesehen hatte. Gut, die Neuseelaender haben jetzt etwas groessere Grundstuecke und dank des Klimas an der Westkueste waechst und gedeiht alles praechtig. Der Zaun war unendlich lang und dann sah ich erst den Rest des Grundstueckes hinter dem Haus und da war die Haelfte mit Regenwaldpflanzen und Dornenbueschen zugewachsen. Ringo bekam eine Spraypistole, damit es schneller geht, ich durfte rollern und pinseln, das Ganze mit einem Oelgemisch.

Der bewachsene Zaun

Boah, das stank vielleicht. Die Hausbesitzerin, eine liebenswerte Lady und ihr irischer "Boy"friend, der immer ueber den Sommer 3 Monate zu Besuch kommt, waren sehr grosszuegig. Da wir wie immer Morning und Afternoon Tea ablehnten, bekamen wir ein grossartiges Lunch und nach der Arbeit jede Menge Bier. Das bunkerten wir im Achim fuer schlechte Zeiten, denn wenn wir "heim" kamen, lagen Shirley und Max schon auf der Lauer, um alles Neue vom Tag zu erfahren, uns Wein und Bier anzubieten und uns ein ueppiges Dinner zu kochen. Ach, diese Gastfreundschaft ist einfach unbeschreiblich und das obwohl Shirley ihren Vater im Krieg gegen Deutschland verloren hat. "Giving is the best medicine" steht am Kuehlschrank geschrieben und ich wuenschte mehr Leute in Deutschland wuerden so denken, wo sie doch alles haben.

Gestern war wieder Clubfreitag. Ringo ging wieder mit Max in den Pub, ich mit den Ladys in den Club, um auf Pferde zu wetten und Gewinnlose zu ziehen. Ganz zur Freude Ringos hatte ich bereits letzte Woche 1,5 kg Rumpsteak gewonnen und dieses Mal kam ich mit einem riesigen Schweinefiletberg heim. Dafuer war ich bereits vor dem "Tea", wie hier das Abendessen genannt wird, voellig dicht. Ein typischer, neuseelaendischer Freitag eben. Und weil hier alles ueber Beziehungen und Empfehlungen geht und die Neuseelaender grundsaetzlich gerne helfen, kamen Ringo und ich jeweils mit neuen Jobangeboten heim. So werden wir wohl die naechsten Tage noch ein bissl Geld einscheffeln, um dieses dann in Australien ungebremst ausgeben zu koennen. 

Das gewonnene Rumpsteak

Mit jedem Job geht auch ein ueppiges Catering einher und die Abendessen von Shirley sind sowieso ein Hochgenuss, aber jeden Tag ordentlich Fleisch. Deswegen haben Ringo und ich wieder zu alter Gewohnheit zurueck gefunden und die letzten Tage im Park ein ordentliches Muscle Workout hingelegt. Sonst passiert wie immer nicht viel in Westport, aber irgendwie ist es jetz wie ein Zuhause, man kennt uns hier, es ist unsere "hood". Und als wir letztens vor der Bibo standen und im Auto Nachrichten schauten, kam ein Auto mit der Aufschrift "The Painters" vorbei und Ringo funkelte ihn an: "Get out of here. Thats my territory."

Weihnachten und Silvester in Neuseeland

Donnerstag, 01.01.2015

"Da sieht man mal wieder wie sehr wir auf unsere Kultur gepraegt sind." sagte Ringo und meine Oma haette gesagt "Haben wir das auch ueberstanden."

Ich hatte mich die ganze Zeit gefragt, wie es wohl ist Weihnachten in einem anderen Land und vor allem im Sommer zu feiern. Fazit: Weihnachten koennen die Neuseelaender einfach nicht!

Die Vorweihnachtszeit war wegen des immer waermer werdenden Wetters und der langen Tage ueberhaupt nicht gemuetlich. In den Geschaeften wurde Dir zwar ueberall klar gemacht, dass nun bald Weihnachten ist und Du nun allerhand Geschenke kaufen solltest, aber das wars auch schon. Keine liebevolle, geschmackvolle oder traditionelle Dekoration, noch nicht mal krass ueberladen wie in den USA, es sah mal wieder billig und wie gewollt und nicht gekonnt aus. Egal, wir feiern Weihnachten am Strand sagte ich mir, das ist auch cool. Aber irgendwie fehlten einem dann schon Gluehwein, Lebkuchen und Weihnachtsmarkt.

Hier in Neuseeland haben die Kinder und damit auch fast alle Neuseelaender ueber Weihnachten bis Mitte Januar Ferien. Der sieht in etwa so aus, dass sie sich tonnenweise zu Fressen (bitte entschuldigt, aber ich muss es so ausdruecken) kaufen und jede Menge Alkohol und dann mit der ganzen Familie an irgendeinen See fahren und dort campen. Der Europaeer stellt sich da etwas anderes unter seinem Jahresurlaub vor, aber die Kiwis lieben es in ihrer Natur zu sein. Auch hier sieht man die verschiedenen Familienschichten von denen ab Mittag mit Bierbuechse vorm Wohnwagen sitzend und die, die sich ihren Kindern beschaeftigen. Ja, es gibt hier wirklich viele Sozialfaelle wenn man naeher hinschaut und nicht nur 3 Wochen aus dem Juicyfenster schaut.

Nachdem Camping nunmal unser Alltag ist, wirkten wir zunaechst dem Trend entgegen und wollten uns ein schoenes Hotelzimmer ueber die zwei Weihnachtsfeiertage suchen. Das war in anbetracht der Touristenpreise gar nicht so einfach. Es hatte uns in der Zwischenzeit nach Dunedin verschlagen und wir hatten uns einige Sachen im Internet ausgeguckt. Vor Ort angeschaut, stellte sich aber bald heraus, dass wir unser Budget nochmal ueberarbeiten mussten, wenn wir zu den Feiertagen wirklich was Huebsches haben wollten. Nach langem Hin und Her und Zaehneknirschen buchten wir dann eine kleine Motelwohnung mit Kueche fuer schlappe 280 Dollar fuer zwei Naechte. Davon leben wir sonst eine ganze Woche lang mit Vollpension. Die Entscheidung war aber Gold wert. Wir zogen uebergluecklich aus dem Achim in unser Appartment und genossen die Privatsphaere eines eigenen Badezimmers. Wunderbar! Wir toilettierten, duschten und wuschen. Nach unserem Weihnachtseinkauf und weiteren schockierenden 120 Dollarn (unser teuerster Einkauf bisher), bereitete ich traditionell unseren Kartoffelsalat zu und Ringo spielte Weihnachtsmusik ueber das Ipad ein. Danach gingen wir nochmal an den Strand, um den Rest unseres Koerpers etwas zu brauenen, da bisher nur Kopf, Hals und Arme knackbraun sind und der Rest kaeseweiss. Das Neuseelandwetter ist halt gewoehnungsbeduerftig. Es gibt entweder brennende Sonnenhitze, sturmartigen Wind oder Regen...selten etwas dazwischen. Und wenn doch, kommen die Sandfliegen und zerstechen Dich.

An diesem Nachmittag war es jedoch angenehm am Strand, schoen warm, ein laues Lueftchen wehte, wenig Menschen....bis wir merkten wir liegen am Hundestrand. Naja egal, wir wurden nur ab und an angebellt und angeschnueffelt. Zurueck im Motel gab es das Weihnachtsdinner. Eine Kerze brauchte ich nicht anzuzuenden, da die Sonne hell hereinschien. Die indischen Nachbarn spielten Fussball bis halb zehn und wir liessen uns Wuerstchen und Kartoffelsalat in Shorts und Tshirt schmecken. Am naechsten Tag war zum ersten Mal alles zu, auch die grossen Supermaerkte und alle machten mit der Familie irgendwo Picknick. Wir folgten dem und schlugen unsere Decke im Botanischen Garten auf, assen unsere Brote, tranken Wein und fuetterten die Enten. Spaeter kochte ich uns noch ein paar Lammsteaks mit Rosmarinkartoffeln und Rostgemuese und wir genossen das Fernsehprogramm. Die zwei Tage gingen leider schnell rum und wir landeten wieder auf der Strasse. Um unser Budget zu schonen war wieder freedom camping angesagt und wir duschten an der kalten Stranddusche.

Silvester sollte sogar noch schlechter werden. Wir fuhren extra nach Christchurch in der Hoffnung in der zweitgroessten Stadt Neuseelands ein wenig Partystimmung zu erleben. Fazit: Silvester koennen die Neuseelaender auch nicht!

Nachdem uns die Rezeptionistin am Campground die Orte zeigte, wo abends was los ist mit der Bemerkung "das wird ein busy Abend in der Stadt heute", freuten wir uns. Wir assen ein selbstgekochtes Curry und oeffnete eine Flasche Wein. Wir putzten uns mal wieder stadtgerecht heraus mit Jeans, Hemd und gemachten Haaren, ich sogar mal wieder Make up und liefen mit Decke und Wein zum Freiluftkonzert mit anschliessendem Feuerwerk. Auf dem Weg dahin waren die Bars schon recht ausgekehrt, nur vereinzelt sah man ein paar Juppis gestylt in einem In-Restaurant steif dinnieren. Nach einem langen Fussmarsch waren wir im Park angekommen und lasen das Schild am Eingang: "This is an alcohol and smokefree concert". Bummer! So war naemlich die Stimmung auch. Wir hatten noch nie ein so leises und langweiliges Konzert erlebt, wobei die Musik gar nicht schlecht war. Neben den spielenden Kindern gab es jede Menge Fressstaende, wo die meisten Schlange standen. Wir setzten uns neben die Absperrung und tranken unsere Flasche Wein und ueberlegten. Da wir noch ein bisschen feiern wollten, entschieden wir uns weiter in die Innenstadt zu laufen und die anderen Partys abzuchecken. Fehlanzeige! Wir liefen durch leere Gassen, alles wirkte wie eine Geisterstadt und diese Ruhe....bei uns wird ja selbst in Pieschen an jeder Ecke geballert und selbst in Striesen ist mal zu Silvester was los, ja sogar in Strassgraebchen steppt der Baer.

Christchurchs Innenstadt hat nach dem schweren Erdbeben von 2011 immer noch mit den Aufbauarbeiten zu tun und der Grossteil der Innenstadt ist eine Baustelle. Wir fanden noch ein Minikonzert fuer das man Karten haben musste, aber sonst war ueberall gaehnende Leere. Wir latschten also zurueck zum Langweilerkonzert, wo es 23:30 Uhr nicht viel besser als vorher war, trotz das alle Leute dahinstroemten. Die meisten standen gerade bei Waffeln oder Kaffee an. Unser Wein war alle und Ringo sagte: "Sinnlos, da koennen wir auch zurueck auf unseren Campground gehen und die letzte Flasche Wein trinken." So liefen wir in grossen Schritten los, schafften es aber bis zum Jahreswechsel gerade mal den halben Weg und mussten uns also vor Mc Donalds in die Arme fallen, ohne Sekt und Knallerei. Dann hoerten wir das Feuerwerk fuer das alle in den Park gestroemt sind, sahen ein paar Raketchen und nach 5 Minuten war alles vorbei.

Somit waren wir dieses Silvester 00:30 Uhr im VANbett und hatten einen langen und ausgeruhten Neujahrtag ohne Kater und konnten sogar dem Silvesterabend unserer Freunde bei Skype beiwohnen, was uns dann ein wenig sentimental machte, also mich zumindest.

Wir freuten uns ueber die vielen Neujahrswuensche aus der Heimat, wohl auch so ein deutsches Ding, denn hier in Neuseeland wuenschten uns selbst am Morgen danach nur eine Hand voll Leute ein gutes, neues Jahr.

Wir sind gespannt, was dieses Jahr fuer Ueberraschungen bringt und sind schon ein wenig traurig, dass nun das Ende unserer Reise immer mehr in die Naehe rueckt.

 

Der wild campende Achim und die Jucys

Montag, 01.12.2014

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das ist zwar manchmal hinderlich, aber manchmal schuetzt es einen auch.

Wie Ihr im letzten Eintrag erfahren habt, hatte es uns nach Langeweile Westport verschlagen, wo wir 3 1/2 Wochen mit unserem Hausprojekt verweilten. Die ersten Tage waren die Hoelle fuer uns. Wir hatten uns gerade an das freie Gefuehl des Reisens und das Schlafen im Achim gewoehnt und nun waren wir wieder an einen Ort und einen "normalen" Alltag gefesselt. Nach Feierabend schloss gegen 17:00 Uhr bereits alles und wir wussten nichts so recht mit uns anzufangen. Nachdem ich am dritten Tag lethargisch auf dem Bett lag, pfiff mich Ringo zusammen und wir gingen in den Park um die Ecke und legten eine Trainingseinheit ein, die sich gewaschen hatte. Gut tat das mal wieder. Und seit dem gewoehnten wir uns sehr schnell an unser neues Leben und genossen sogar die kleine, kurzweilige Stetigkeit in unserer Reise. Auch zu Shirley und Max bauten wir eine besondere Beziehung auf, so dass die Zeit verging wie im Fluge.

Puenktlich zum 1. Dezember mit strahlendem Sonnenschein liessen wir unser neues zu Hause hinter uns, mit jede Menge Hackroellchen von Shirley im Gepaeck. Wir schafften noch unser letztes Gehalt auf das Kiwi Konto und freuten uns ueber den neuen, beruhigenden Kontostand. Wir stoppten kurz an der Seeloewenkolonie und reihten uns dann in die Schlange der Jucys (wie wir sie nennen) ein. Jucys sind die 3 Wochen Urlauber mit ihren Mietcampern und Vollausstattung, die an jedem abgelegenen DOC Campground total durchdrehen und voll auf Outdoor machen. Da werden nach 4 Tagen schon mal die Buchsen im Fluss gewaschen, obwohl sie gleich morgen wieder an einen feinen Campground mit Waschmaschine ranfahren und sowieso fuer jeden Tag eine frische Schlueppi mit haben plus 2 extra Paar. Die Westkueste ist in der Saison vollgestopft von Ihnen und 80% der Insassen sind Deutsche. Das ist gar nicht schlimm, sind wir doch ein respektvolles Reisevolk, aber leider gefaellt es den 21 Tage Campern so gar nicht, dass sie hier am anderen Ende der Welt nun doch nix Besonderes sind und ihr englisch ausserhalb des Caravans nicht aufbessern koennen. Mal abgesehen davon, dass der Durchschnitss-Jucy selten gruesst, stellt er urploetzlich das Reden ein, wenn er einem entgegen kommt, damit er womoeglich nicht als Deutscher erkannt wird. Er mag es auch nicht seine Picknickbaenke mit anderen zu teilen, es sei denn es sind englischsprachige Menschen. Schliesslich muss man zu Hause dann was erzaehlen koennen. Ausserdem erkennt man ihn an der teuren Voll-Outdoorausstattung. Es koennte ja sein, dass der Camper liegen bleibt und er sich die restlichen 14 Tage quer durch den Regenwald und die Alpen schlagen muss.

Wir tuckerten also die Westkueste entlang mit einigen Stops an wunderbar wilden Straenden, den Pancake Rocks mit den beruehmten Blowholes (Loecher in den Felsen, die Meereswasser bei der Flut nach oben prusten) und den Gletschern.

Einige Orte waren malerisch schoen, einige leider bereits durch den Tourismus "verunstaltet". Da wir ausreichend Zeit hatten, fuhren wir ein paar Abzweigungen, die sich besonders lohnten und die dann auch Jucy-frei waren und um unser Budget ein wenig zu schonen und weil das Wetter immer besser wurde, tasteten wir uns an das Freedom Camping heran. Leider ist das fuer uns nicht erlaubt, sondern nur fuer self contained Fahrzeuge. Das sind die grossen Camper mit Boardtoilette und Abwassertank. Es steht eine Strafe von 200 Dollar, wenn man erwischt wird. Wir haben uns aber ausgerechnet, dass wir mit dem Bezahlen von Campgrounds schnell ueber diesen Betrag kommen und das Risiko sich lohnen koennte.

So fanden wir eines Abends diesen tollen Strand, an dem man hinter den Duenen super stehen konnte.....nur noch ein bisschen naeher ans Wasser und schon hatten wir uns festgefahren. Ich sprang aus der Karre und versuchte den Achim rueckwaerts aus dem Sand zu schieben, waehrend Ringo vorsichtig Gas gab. Ich dachte schon ich waere nicht kraeftig genug, aber dann fand Ringo die Loesung. Er grub die Hinterraeder frei, stabilisierte den Fahrweg und mit ein paar Versuchen waren wir wieder frei. Hier bleiben wir lieber nicht, da kommen wir womoeglich gar nicht mehr raus am Morgen. Zwei Duenen weiter fanden wir aber eine noch bessere Stelle, schoen versteckt und windstill. Wir parkten ab und stiegen uebergluecklich aus....Zeit fuers Abendbrot!!! Es war total romantisch, der Sand, das Meeresrauschen, die untergehende Sonne.........fanden die Sandfliegen aber auch! Diese kleinen Dinge sind eine Plage! Sie sind kleiner als Muecken, stechen aber genauso und das tut weh und juckt eine ganze Woche lang! Und sie treten immer in riesen Schwaermen auf und sind quasi ueberall: an den Beinen, an den Haenden, im Gesicht, immer versucht ein Eckchen Haut zu erwischen, das sie beissen koennen. Wir zogen uns lange Sachen an, spruehten die Haende und Gesicht ein und bereiteten klatschend und wedelnd das Abendessen zu. Als wir damit fertig waren, blieb uns nix anderes uebrig als einen laaaaaangen Spaziergang zu machen, denn bei Bewegung und Wind gehen die Plagegeister weg. Im Achim koennen wir uns naemlich auch nicht ewig aufhalten, da wir neuerdings super bequeme und hohe Matratzen haben und Ringo da nicht aufrecht sitzen kann. Ausserdem haben wir keine Filme auf dem Ipad, die wir schauen koennen und Ringo ist fuer Spieleabende nicht so zu begeistern. Nun wissen wir auch warum die Neuseelaender hier so viel trinken und so viele Kinder haben!

Als wir zurueck kamen, sprangen wir fix in den VANzel und machten unser Nachtlager bereit. Innerhalb von einer Minute waren ca. 40 Sandfliegen drin, die wir dann Stueck fuer Stueck totschlugen. Wie wir so unserer Abendbeschaeftigung nachgingen, tuckerte eine weitere Backpackerkarre um die Ecke auf der Suche nach einem Schlafplatz. Also waren wir nicht die Einzigen, die Verbotenes tun. Man ist doch viel zu ehrlich erzogen und macht sich bei jedem Verstoss gleich in die Hose, dass man erwischt wird. Am naechsten Morgen wurden wir durch die Sonne geweckt, also besser gesagt ich. Ringo schnarchte weiter vor sich hin...ich krabbelte ueber den Sitz nach vorn und rannte ans Meer....voller Ueberzeugung nackig baden zu rennen bis ich von den brausenden Wellen und dem kalten Wasser bei den Waden stoppte.

 

Als Ringo wach wurde war wieder Sandfliegenzeit und wir rueckten unsere Campingstuehle von einer Duene zur naechsten, aber wir konnten den Dingern nicht entkommen. Dann brach Ringo auch noch den Henkel seiner Aufraeumbox ab und es gab erstmal dicke Luft. Als wir jedoch spaeter in die naechste Bucht fuhren, verfluechtigte sich das wieder beim Anblick der in Morgensonne getauchten Berge und dem Meer auf der gegenueberliegenden Seite. In einer noch abgelegeneren Ecke fanden wir einen glasklaren See in dem wir uns wuschen.

Zurueck auf dem Hauptweg fuhren wir mit den Jucys in Wanaka ein, wo wir uns wieder in einen huebschen Family Park einbuchten, um heiss zu duschen, die elektronischen Geraete aufzuladen und das Trinkwasser aufzufuellen und uns die krassen Survivorstories der Jucys anzuhoeren. Waehrend Ringo den Achim abseifte (es gab naemlich auch eine Waschstation), hing ich unsere Waschladung auf die Waeschespinne und freute mich wie sie duftend im Wind baumelte. Ich kochte dem "Vati" einen Kaffee und frisierte und schminkte mich mal wieder huebsch. Danach konnten wir auch endlich den Touristenort besuchen und am See entlang schlendern.

Am naechsten Tag mussten wir aus Budgetgruenden leider wieder auschecken und zurueck in den Vorort Alberton auf den Billigcampingplatz wo wir hingehoerten zu den anderen Backpackern und den self contained Karren. Das ist fast noch schlimmer als die Jucys, wenn die riesen Motorhaeuser neben Dir auf den Budgetplaetzen stehen und Dir von drinnen durch ihr Fliegengitter zuschauen, wie Du wedelnd und  tanzend zwischen den Sandfliegen auf dem Boden dein Essen kochst. Ab und an prosten sie Dir zu mit ihrem 20 Dollar Wein und dem frisch zubereiteten 3-Gaenge-Mahl. Das Plumpsklo ueberlassen sie jedoch dann wieder ganz allein uns.

Not macht erfinderisch...und so kam uns eine prima Idee. Nachdem wir tagsueber ein paar laengere Wanderungen unternommen hatten, wollten wir nicht verschwitzt in den Van steigen und so taten wir etwas ganz Boeses.....wir schlichen uns oder besser gesagt wir schlenderten zurueck in den alten Campground mit Duschbad und Handtuch, etc. im Gepaeck und nutzten die Badeinrichtungen. Da waren tagtaeglich so viele Leute, dass das gar nicht auffiel. Wir trafen auch noch Bekannte vom Vortag und hielten ein Schwaetzchen und Ringo checkte mit dem Wifi ein paar Mails. Dann liefen wir Schnorrer zurueck zum Auto und brausten wohlriechend in den Vorort.

Aber trotz dass das Camperleben nicht einfach ist, sind wir hier und sehen all diese Dinge, treffen all diese Menschen mit Ihren verschiedenen Geschichten und Gruenden fuer Ihre Reise. Und jeder gibt Dir auf seine Weise etwas mit. Auch wir selbst veraendern unsere Persoenlichkeit und lernen Dinge zu schaetzen, die frueher selbstverstaendlich waren und sehen unser Land von einem anderen Blickwinkel. Ein anderer Reisender hat mal zu uns gesagt: "Es ist schoen, dass die Deutschen so reiselustig sind. So erweitern sie ihren Horizont, lernen sie die Mentalitaet anderer Voelker kennen und bringen gute Dinge mit heim und veraendern damit unsere Gesellschaft". Ich denke aber auch, das Reisen bildet, denn ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu.

Die neachsten Tage rauschten vorbei. In Queenstown und Umgebung gab es so viel zu entdecken und zu erleben, dass ich gleich mehrere Blogeintraege schreiben koennte. Ich lass stattdessen diesmal lieber Bilder sprechen.

 

Nun sind wir in Dunedin gelandet, wo wir dann auch Weihnachten verbringen werden und haben uns gerade eine huebsche Unterkunft gebucht. Das schenken wir uns gegenseitig zu Weihnachten und ich werde uns etwas Schoenes kochen. Und das Wichtigste haben wir hier: uns!

 

 

Happy Apple, Heaphy Track und heavy painting...

Donnerstag, 30.10.2014

Nachdem wir unsere Enttaeuschung vom geklauten Benzin und den verschwundenen Turnschuhen ueberwunden hatten, verbrachten wir noch ein paar Tage laenger als geplant im Happy Apple. Das ist ein Hostel, welches Van Besitzern ermoeglicht auf dem Parkplatz zu stehen und im Auto zu schlafen, aber fuer ein geringes Entgelt die Einrichtungen nutzen zu duerfen.

Nach mehreren Tagen Wandern war das eine willkommene Abwechslung, nicht nur wegen der heissen Duschen und der Moeglichkeit unsere Waesche zu waschen, das ganze Hostelleben da genossen wir sehr. Die meisten Bewohner hatten in der Naehe einen Job angenommen und so traf man am spaeten Nachmittag und Abend viele bekannte Gesichter in der Kueche, im Garten oder den Aufenthaltsbereichen. Ach war das mal wieder schoen mit vielen verschiedenen Menschen zu quatschen, in internationale Kochtoepfe zu schauen und einfach wieder ein soziales Umfeld zu haben. Gern lauschte ich den Franzosen beim Gitarre spielen oder tauschte mich mit Anne ueber das Rezept ihres leckeren Apfelkuchens aus, waehrend Ringo den Fernsehraum samt Fernbedienung in Beschlag nahm und "guckte bis Schluss is". Auch das kleine Staedtchen Motueka bat uns alles, was wir brauchten und wirkte gar nicht so schnarchig wie die anderen Kleinstaedte hier in Neuseeland. 

Wir verlaengerten und verlaengerten und verlaengerten, aber dann war uns klar, wir muessen auch mal wieder weiter ziehen. So packten wir den Achim voll, winkten den neugewonnenen Freunden zu und tuckerten Richtung Westkueste. Wir campten eine Nacht an einem Bergsee

und arbeiteten uns dann nach Westport vor, der zweitgroessten Stadt an der Westkueste. Hier sollte man sich mit Nahrungsmitteln eindecken und was man sonst noch so brauchte, da es noerdlich sowie suedlich ueber 100 km nix zu kaufen gibt. Und wie ich auf Vorrat kaufen hasse! 

Ein wenig enttaeuscht waren wir dann schon ueber Westport, hier war der Fuchs begraben oder wie das heisst. Es lag ein unangenehm rauchiger Duft in der Luft, weil die meisten Leute hier mit der hiesig abgebauten Kohle feuern. Wie in jeder neuseelaendischen Kleinstadt, ist ab 17 Uhr alles geschlossen (ausser die Super- und Baumaerkte) und hier wirkte alles wie ausgekehrt. Da hatten wir uns irgendwie mehr erhofft. Egal, dann fahren wir halt morgen weiter. Unser Ziel war Karamea, der noerdlichste Ort kurz vor Beginn oder Ende des Heaphy Tracks, einem weiteren Great Walk, den wir gern gehen wollten.

Nach meiner Recherche war auf dem Weg dorthin ein Zwischenstopp am Gentle Annie Beach lohnenswert, einem zauberhaften Ort, wo das Meer gar nicht so freundlich ist, wie es klingt. Dort sollte auch ein Zeltplatz sein, den wir nutzen wollten. Wir fuhren von der "Hauptstrasse" (hier oben war es so einsam, dass uns entgegen kommende Fahrzeuge gruessten) in eine niemals endende Schotterstrasse ein. Staendig musste Ringo parkenden Trucks ausweichen, deren Besitzer am Meeresarm fischten oder wie wir spaeter erfuhren "Whitebaiten". Das ist ganz populaer hier und alle sind ganz verrueckt danach. Die sehen aus wie kleine Babyfische und werden komplett wie sie sind mit Ei gebraten. Ich fands ganz okay, Ringo wollte bis heute noch nicht ran, weil er nicht mag, dass ihn die Fischlein beim Essen anschauen.

Anyway, jedenfalls winkten uns auch die Fischer zu und endlich kamen wir am Ende der Strasse am Meer an. Hier befand sich das "Cowshed", ein ehemaliger Kuhstall, der zu einem Cafe umgebaut wurde und daneben, der wohl schoenste Campingplatz, den wir bisher angesteuert hatten. Direkt am Meer, aber windgeschuetzt in gruenen Parkbuchten, alles so liebevoll hergerichtet. Warum hab ich nur wieder keine Fotos gemacht? Ringo quatschte lange mit dem Franzosen, der sich hier bereits seit 2 Jahren niedergelassen hatte und wohl seinen suessen Akzent nie verlieren wird, obwohl er seit 10 Jahren in Australien und Neuseeland lebt. Er kocht und bewirtschaftet das Cowshed und den Campingplatz. Er trug Kochmuetze, Kochjacke, eine Satinhose und Gummistiefel und er liebt es hier zu leben. Wir fanden den Ort auch ganz bezaubernd, fragten uns aber wie es ein junger, attraktiver Franzose in dieser Einoede so lange aushalten kann. Er hatte oft Gesellschaft von einer aelteren Frau, die vom Leben gezeichnet aber sehr nett war, ebenfalls in Gummistiefeln.Wir erfuhren, dass er sich sehr frei hier fuehlt, ohne Druck und wenn er Lust darauf hat, kann er einfach die Tuer schliessen und fischen gehen.

Er scheint auch ein ausgezeichneter Koch zu sein, denn seine an der Kreidetafel angeschlagenen Speisen klangen ganz aussergewoehnlich gut und am Abend kamen so einige Gaeste den weiten Weg, um bei ihm zu speisen. Wir durften am Abend im Cowshed das Internet nutzen und so sassen wir auf den mit Fell bedeckten Holzbaenken und wollten gerade Mails checken als eine Gruppe lustiger Kiwis reinplatzte und uns zum Wein einlud. So tranken und quatschten wir die ganze Nacht mit ihnen und hatten viele grosse Lacher. Am Ende des Abends schlug uns eines der Ehepaare vor, auf dem Rueckweg bei ihnen vorbei zu kommen, denn sie wuerden tatsaechlich jemanden brauchen, der ihr Haus streicht. Sie wuerden uns auch gut bezahlen und liessen uns einen Zettel mit ihren Kontaktdaten da. Wir gingen benebelt in den VANzel schlafen und als mir am Morgen der Zettel in die Haende fiel, dachte ich mir so, naja, is sicher nicht ernst gemeint.

Also fuhren wir nach Karamea und wollten eigentlich unsere Wanderung beginnen, aber das Wetter und die Aussichten waren katastrophal. Deshalb suchten wir uns einen Platz zum Bleiben. Ich hatte da natuerlich bereits was vorbereitet und im LP ein Hostel mit Stellplatz rausgesucht, das Rongo. Klang unglaublich gut und die hatten sogar ihre eigene Radiostation. Also fuhren wir es an und checkten die Lage. Ein in die Jahre gekommener Hippie namens Bryan oeffnete uns barfuss die Tuer. Er fuehrte uns durch die dunklen Raeume, wo ueberall "Kunst" rumhang und es eben sehr rongomaessig aussah. Obwohl er sehr nett war, alles sauber und an den Einrichtungen nix auszusetzen war, fuehlten wir uns einfach nicht wohl. Ringo meinte, er hat keinen Bock auf solche Oekogespraeche am Abend und so fuhren wir quer rueber auf einen anderen Campingplatz, was eigentlich ein alter Sportplatz war. Das war wieder einer dieser Zeltplaetze wo Menschen tatsaechlich leben und diese ganze Anlage war einfach zum Schreien, aber sie war billig. Fuer die eine Nacht geht das schon und so hatten wir bei dem stroemenden Regen wenigstens die Moeglichkeit uns irgendwo aufzuhalten. Es gab sogar ein in die Jahre gekommenes Fitnessstudio, was dem Ringo natuerlich sehr gelegen kam. So parkten wir am Sportplatzende, gleich neben der lachenden, dicken Dame, die in ihrem Caravan mit ihrem Mann und 3 Welpen lebte. Sachen gibts! Ringo zahlte und machte schon wieder Witze, dass wir hier nur stehen duerfen, wenn wir heute Nacht einen Vierer im Caravan nebenan machen. Am Abend kam dann noch ein Fahrzeug dazu und wir lernten Louisa, eine junge Deutsche kennen. Sie wollte auch den Track laufen, wusste aber noch nicht so genau wie das alles ablaeuft und hatte auch Bedenken wegen des Wetters. 

Spaeter kam zum Regen noch ein gewaltiger Sturm dahergebraust und fegte Nachbars Zelt weg und der Achim wackelte ordentlich in der Nacht waehrend Regen und Hagel herniederbrauste. Am Morgen kam zwar die Sonne raus, aber immer wieder schwarze Wolken, die sich sintflutartig ergassen. Wir ueberlegten hin und her, nun waren wir extra hier hoch gefahren, um den Track zu gehen, aber noch einen Tag laenger auf dem Sportplaz wollten wir auch nicht verbringen. Also rafften wir uns alle drei auf, gingen in die Tankstelle, die gleichzeitig Touristeninformation, Internetcafe und Biblothek war und buchten den Track samt Huette zur Uebernachtung. Wir packten unsere Ruecksaecke und schon gings los.

Der Heaphy Track war sogar noch schoener und vor allem wilder und abwechslungsreicher als der Abel Tasman Track. Wir liefen am tosenden Meer entlang, durch Regenwald und an felsigen Buchten vorbei und was noch viel schoener war, wir hatten jemanden unterwegs zum Plappern dabei. Dieses Mal hatten wir uns auch nicht so eine harte Strecke vorgenommen und brauchten Zelt und Matratze nicht schleppen. Am Nachmittag kamen wir dann in der Huette an und trafen da sogar Robin, den Typen, den wir bereits auf dem anderen Track getroffen hatten. Das war witzig und so kamen wir ins Gespraech und fanden heraus, dass er ein auf Ibiza lebender Deutscher ist. Und so wanderten wir am naechsten Tag zu viert.

Als wir zum Auto zurueck kamen, war der Achim zum Glueck heil und hatte sogar noch genauso viel zu Trinken wie vorher und so tuckerten wir zurueck zum Sportplatz, wo uns die lachende Frau wieder winkend begruesste. 

Am naechsten Morgen entschieden wir uns das Ehepaar mal anzurufen und uns nach dem Streichjob zu erkundigen. Zunaechst hatten wir nur den Mann an der Strippe und der wusste nichts davon, wollte uns jedoch zurueck rufen, wenn seine Frau wieder da ist. Das wird wohl nix dachte ich und wir fuhren einkaufen, da klingelte ploetzlich mein Telefon. Shirley war dran und sagte, wir koennten gern vorbei kommen und dann reden wir ueber alles. Wir waren gleich um die Ecke und fuhren hin, begutachteten das Haus und redeten ueber die Konditionen. Leute, was hatten wir fuer ein Glueck! Die Bezahlung ist super und wir bekamen sogar ein eigenes Appartment in der Stadt, besser konnte es nicht laufen und so willigten wir ein.

Seit her fahren wir jeden Morgen um 08:00 Uhr auf die Baustelle. Ich haette nicht gedacht, wie hart so ein Malerjob ist. Ich schwinge mich in meinen "Weissmann", denn ich will ja nicht meine Klamotten versauen und muss machen, was der Malermeister Ringo sagt. Und der hat immer so komische Ideen wie mit Sandpapier Waende beschleifen, Farbe anmischen, Linien "beschneiden" und vor allem aufpassen, dass keine "Nasen" laufen. Dabei muss natuerlich das Radio in voller Lautstaerke plerren und Ringo aergert mich immer damit, indem er mit mir wie mit einem Mann spricht: "Ey Alter, alles geschmeidig bei Dir?" und so. Wenn ich nicht gerade ausflippe und alles vor Wut wegschmeisse oder ich wegen Wind, Sonne oder Regen jammere, ist es eigentlich ganz witzig. Wir haben einen running Gag ueber meine lesbische Freundin Biggi, weil ich mich beschwert habe, dass ich mich schon wie so ein Kerl fuehle und Ringo nimmt mir viel ab.

Das Hausprojekt

Max und Shirley sind super nett und sorgen sich darum, dass wir auch immer ausreichend Cappuccino da haben und auch mal Pausen machen. Als sie uebers Wochenende verreisten, bekamen wir sogar deren Skypackage Karte, damit wir mal mehr als 4 Sender schauen koennen. Neuseelandfernsehen ist echt schlecht und da freut man sich mal amerikanisches Trash TV zu sehen. 

Westport Strandspaziergang

Nun sind wir also doch in Westport gestrandet und bereits die zweite Woche hier. Ausser Strandspaziergaengen, regelmaessigen Sporteinheiten und gelegentlichen Pub Besuchen passiert hier leider nicht viel, aber immerhin wird unsere Reisekasse aufgefuellt und das nicht zu wenig. Wenn wir das hier mal durchziehen und die Zaehne zusammen beissen, koennen wir danach unbeschwert weiterreisen, sagte Ringo und Recht hat er!

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